Nice

Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss – und das ist scheinbar nice. So lässt sich die Entwicklung von nice zusammenfassen. (Kein Scheiss!)

Soll heissen: lat. ne-sciō ’nicht wissen‘ wurde weitergereicht und abgeschabt, bis es nice und handlich war. Dieses sciō ‚wissen‘ ist dasselbe, das auch in der science ‚Naturwissenschaft‘ oder in conscience ‚Gewissen‘ steckt.

Im Altfranzösischen des 12. Jahrhunderts ist schon die Form nice belegt, da allerdings noch in der ursprünglichen Bedeutung ‚ignorant‘ und daran anschliessend ‚einfältig, leichtsinnig, dumm‘.

Einmal ins Englische eingewandert, legte auch die Bedeutung einen weiten Weg zurück: Bald ist sie mit ’schüchtern, zaghaft, mutlos‘ belegt. Beide sind negative Charakterbeschreibungen, aber "ein simples Gemüt" und "ein verhuschter Mensch" sind zugegeben schwer zusammenzubringen. Vielleicht weil Weissnichte als zaghaft wahrgenommen wurden? Ein zaghaftes nescio von mir.

Nach einer weiteren Bedeutungsstation ‚pingelig‘ ist im 15./16. Jahrhundert eine Umwertung ins Positive zu sehen, über ‚heikel, zart, niedlich‘ zu ’sachte, gewissenhaft, sorgfältig‘. Nach einer Fahrt auf der Verallgemeinerungs-Achterbahn wird daraus ‚angenehm‘ und ’nett‘, und eine Entlehnung später ist auch im Deutschen alles nice, was nicht bei drei auf den Bäumen ist (ausser es ist cute oder sweet).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert