Weidling

Weidlinge in Schaffhausen

Als Weidling (oder Waidling) wird ein schmales Flachboot bezeichnet, traditionell aus Holz, dessen Vorläufer wohl schon vor tausenden Jahren gebaut wurden. Zwischen dem Bodensee und Schaffhausen dienen Weidlinge heute v.a. dem gemütlichen Zeitvertrieb: Man stachelt (und treidelt) den Rhein hinauf und lässt sich wieder hinuntertreiben. Weidlinge sind desweiteren am übrigen Hochrhein verbreitet und werden auch sportlich bzw. militärisch genutzt (vgl. Wikipedia: Pontoniersport; allgemein: Lebendige Traditionen der Schweiz, Wikipedia: Weidling).

Nun aber zum Sprachlichen.

Weidling

In der Bezeichnung Weid-ling hallt paradoxerweise eine Verwendung nach, die nicht mit heutigen Weidlingen assoziiert wird: Das Fischen. Die Weide stand nämlich für die ‚Jagd‘ oder den ‚Fischfang‘ (wie heute noch in Weidmann ‚Jäger‘).

Das Suffix -ling dient meist der Bezeichnung von Personen, die eine bestimmte Eigenschaft aufweisen – Häftling, Schreiberling, Fiesling, Däumling etc. –, kann aber auch für Abstraktes (Frühling) und Konkretes benutzt werden (Setzling) – der Weidling ist demnach "das Ding zum Fischen".

Belegt ist das Wort seit dem 14. Jahrhundert, geläufig in der nördlichen Schweiz, aber es taucht auch weiter im Süden auf, vom Kanton Zürich über den Vierwaldstättersee bis in den Kanton Bern.

Die Verwendung verschob sich mit der Zeit: Zwar wurden Weidlinge noch lange zum Fischen verwendet, wie die Belege im Idiotikon zeigen, prominenter aber zum Warentransport oder auch als Fortbewegungsmittel. Bahn und Autos haben daraus eine Freizeitbeschäftigung gemacht.

Stacheln und treideln

Zum Stacheln mit dem Stachel (Wikipedia) gibt es nicht viel zu sagen: es entspricht dt. staken. Früher sagte man dazu auf Schweizerdeutsch schalte, Grundbedeutung ’schieben, stossen‘ (Idiotikon, Bed. 1. b α).

Treideln (Wikipedia) kommt wie engl. trail von altfrz. trailler. Das Schweizer Wort dafür ist recke (Grundbedeutung ’strecken‘), auch dies ist allerdings nicht mehr geläufig (zumindest in Schaffhausen, so weit mir bekannt).

Schoo

Auch noch erwähnt sei die/der Schoo, das ‚hintere und vordere Ende des Weidlings‘ (Idiotikon), mir bekannt als das abschliessende Querbrett. Die Etymologie ist nicht gesichert.

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